Simulation von Problemlösungen

 

Möchten Sie ein Problem lösen ?
 
Möchten Sie eine Entscheidung fällen ?
 
Möchten Sie mehr Klarheit über einen Sachverhalt bekommen ?
 
Möchten Sie Veränderungen einleiten ?
 
Möchten Sie geplante Vorhaben vorher austesten ?
 
Die von Dipl.- Psych. Insa Sparrer und Prof. Dr. Matthias Varga von Kibéd entwickelten Systemischen Strukturaufstellungen sind für solche Anliegen besonders geeignet.

 

Was sind Systemische Strukturaufstellungen?

Strukturaufstellungen sind ein bildgebendes Verfahren. Eine Strukturaufstellung kann man sich in etwa als die Abbildung einer (inneren) Filmsequenz vorstellen. Ziel der Aufstellung ist, die Filmsequenz zieldienlich abzuändern oder weiterzuentwickeln. Strukturaufstellungen basieren auf logisch-philosophischen, systemtheoretischen und hypnotherapeutischen Grundannahmen.

 

Was passiert in einer Systemischen Strukturaufstellung?

Es existieren zahlreiche unterschiedliche Arten von Strukturaufstellungen. Welche Aufstellungsart zur Anwendung kommt, hängt von der Fragestellung des Klienten ab, denn jede Aufstellungsart betont andere Aspekte und hat auch ihre ganz spezifische Vorgehensweise. Zu Beginn wird deshalb erst ein sogenanntes lösungsfokussiertes Vorinterview durchgeführt. Danach wird der, eben dort explorierte Sachverhalt, meistens eine angestrebte Wirklichkeit, aufgestellt. Für eine Strukturaufstellung wird der Sachverhalt des Klienten so zusammengestellt, daß den Bestandteilen des Sachverhaltes, Elemente eines Modellsystems entsprechen. Ein solches Modellsystem wird ein Format genannt. Der Sachverhalt kann auf diese Weise, einerseits komplexitätsreduziert werden, und anderseits in einen quasivollständigen Sinnzusammenhang gestellt werden. Die Grundannahme ist, daß erst dieser Sinnzusammenhang ein System bildet. Nach dieser Auffassung gibt es ein System nicht, sondern entsteht ein System erst, bezüglich einer gewissen Fragestellung.

 

Warum wird überhaupt aufgestellt?

Man kann sich einen Gesamtüberblick verschaffen, insbesondere über eventuelle Blockaden, Hindernisse, Konflikte, fehlende Ressourcen, unerwünschte Auswirkungen usw. - um dann, Lösungen zu erarbeiten. Im Kopf allein würde dies kaum gehen, da manche Aspekte sich unserem normalen Tagesbewußtsein entziehen und der Sachverhalt auch aus sehr vielen Bestandteilen bestehen kann. Wie wird der Sachverhalt abgebildet? Die Bestandteile des Sachverhaltes werden in der Aufstellung durch Menschen vertreten. Für je ein Aspekt steht je eine Person. Diese Personen werden Repräsentanten genannt. Der Klient bittet und autorisiert anwesende Personen, die Bestandteile zu repräsentieren und stellt diese dann auf. Es wird also davon ausgegangen, daß beliebige Menschen jegliche Sachverhalte abbilden können, obwohl diese über kein Wissen bezüglich der Sachverhalte verfügen. Wieso? Durch ein Phänomen, das als Repräsentierende Wahrnehmung bezeichnet wird. Menschen haben demnach die Fähigkeit, in einer Aufstellung, die Bedeutungen von Systemelementen und damit deren Einflüsse auf den Sachverhalt, sinnlich wahrzunehmen. Einen Repräsentanten kann man sich als ein Zeichen (im Sinne Charles Sanders Peirce) vorstellen. Wenn man Repräsentant ist, dann ist man Teil einer Aufstellung, was übrigens im Alltag auch passiert und versehentliche Aufstellung genannt wird, und man hat sozusagen automatisch die folgenden drei Eigenschaften: Man hat einen Namen, verweist auf ein Element eines Systems und man bekommt von diesem System, ganz spezifische Bedeutungen, zugewiesen. Aufstellen bedeutet: Repräsentanten werden zueinander in Beziehung gesetzt.

 

 

 

Wodurch zeichnen sich Systemische Strukturaufstellungen aus?

In der Beratung und Therapie sind Strukturaufstellungen explizit lösungsfokussiert. Lösungsfokussiert bedeutet: Die Lösung bemerkt man am Verschwinden des Problems. Diese Grundannahme der Lösungsfokussierung findet man (auch) in der logisch-philosophischen Abhandlung des österreichischen Sprachphilosophen Ludwig Wittgenstein. Nach dieser Auffassung sind Ursache und Wirkung nicht miteinander verknüpft. Der Glaube an den Kausalnexus sei ein Aberglaube. Damit sind Problem und Lösung ebenfalls nicht miteinander verknüpft. Lösungen können jedoch nicht beliebig konstruiert werden. Lösungen zeigen sich im Verschwinden des Problems. Man könne die Lösung eines Problems nur am Verschwinden des Problems bemerken. Mit anderen Worten, die Antwort auf eine Frage erkennt man Verschwinden dieser Frage. Aus systemisch/ lösungsfokussierter Sicht macht es keinen Sinn, in Ursache & Wirkung zu denken. In Anlehnung an Paul Watzlawick könnte man definieren: Man kann nicht nicht wirken. Deshalb kann man auch nicht "nicht gewirkt werden". Aus systemisch/ lösungsfokussierter Sicht ist es sinnvoller, in Auswirkungen und Wechselwirkungen zu denken. Nach Gunther Schmidt sind die negativen Auswirkungen (Nebenwirkungen, Folgekosten) des gewünschten Erlebens überhaupt das Problem am Problem. Systemisch/ lösungsfokussiertes Vorgehen bedeutet dann, sich stärker auf Unterschiede, statt auf Inhalte, zu konzentrieren: Wenn wir das tun, was wir schon immer getan haben, dann werden wir wahrscheinlich auch wieder das bekommen, was wir schon immer bekommen haben, da vermutlich sehr ähnliche Wechselwirkungen erzeugt werden. Nur Unterschiede (Information = Unterschiedsbildung, Neuinformation = neuer Unterschied) können Veränderungen bewirken. In Anlehnung an Gregory Bateson: Finde einen Unterschied, der einen Unterschied macht. Nach Bateson geschieht die Reaktion auf einen bestimmten Impuls auch immer in Abhängigkeit von einem gewissen Kontext, und deshalb machten vor allem Veränderungen von Kontextbedingungen entscheidende Unterschiede. Alle Unterschiede, die zum Verschwinden des Problems beitragen können, sind mögliche Ressourcen zur Problemlösung. Bereits kleinste Veränderungen können große Auswirkungen haben und damit Ressourcen darstellen. Aus lösungsfokussierter Sicht hat das Erarbeiten und Austesten geeigneter Ressourcen höhere Priorität, als das Verstehen der Problemdynamik. Es ist zwar gelegentlich hilfreich, das Problemmuster auch zu analysieren, zur Lösung des Problems ist dies jedoch nicht Voraussetzung. Es wird vielmehr ein Lösungsmuster konstruiert. In einer Strukturaufstellung wird analysiert, unter welchen Bedingungen, zieldienliche Veränderungen möglich werden und unter welchen Umständen, das Problem weniger wahrscheinlich wird. Die nachfolgende Grafik soll die Fokussierung auf die Lösung, was vor allem durch Steve de Shazer bekannt geworden ist, veranschaulichen. Matthias Varga von Kibéd verdeutlicht die Lösungsfokussierung gerne folgendermaßen: Die Tatsache, daß Aspirin bei Kopfschmerz hilfreich ist, heißt nicht, daß Kopfschmerz durch Aspirinmangel verursacht wird - und auch nicht, daß Aspirin generell bei Kopfschmerz geeignet ist. Mit anderen Worten, der Mangel an Aspirin war nicht die Ursache des Problems und die jetzt behoben wurde.

 


(Alle) Aufstellungsverfahren sind eigentlich keine Methode, vielmehr eine besondere Form von Sprache, eine sogenannte transverbale Sprache, welche (auch) für die Beratung und Therapie verwendet werden kann. Transverbale Sprache bedeutet, daß diese Sprache sowohl verbale als auch nonverbale Aspekte beinhaltet, und daß sie nicht von einer Einzelperson gesprochen werden kann, sondern nur von einer Gruppe von Personen (quasi als Gruppenkörper). Unter der Prämisse, Aufstellungen als Sprache zu verstehen, können jedem Aufstellungsverfahren auch eine Syntax (Grammatik) und eine Semantik (Bedeutungslehre) zugeordnet werden. Die Systemischen Strukturaufstellungen haben sich für ein sogenanntes syntaktisches Vorgehen entschieden. Dadurch werden diese anwendbar, sowie auch lern- und lehrbar, ohne an ein spezifisches Weltbild gebunden zu sein. Die Grammatik der SySt macht es deshalb auch möglich, nicht inhaltsbasiert, sondern unterschiedsbasiert, vorzugehen. Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd haben zur Übersetzung typischer Sachverhalte, in diese transverbale Sprache, sogenannte Formate entwickelt. Diese stellen den (grammatikalischen) Rahmen der Aufstellung dar. Die Frage strukturiert die Antwort. Welches Format zur Anwendung kommt, hängt im wesentlichen von der Frage des Klienten (an die Aufstellung) ab. "Ich weiß nicht, ob ich A oder B tun soll?" ist also ein anderer Aufstellungstyp als, "Ich würde gerne A tun, weiß aber nicht wie?". Die Aufstellung wird, aus lösungsfokussierter Sicht, um so fruchtbarer sein, je mehr sie zum Verschwinden dieser Frage beiträgt. Ohne Semantik wiederum kann eine Sprache nicht verstanden werden. Die Semantik der SySt ist ein Aufruf zur Bescheidenheit an den Therapeuten. Sie steht in der Tradition konstruktivistischer und lösungsorientierter Grundannahmen und stellt damit eine Einladung an die Eigenverantwortung und die Kreativität des Klienten dar. Somit verbleiben die Inhalte, Bewertungen, Schlußfolgerungen und Interpretationen bei den Klienten. Das sogenannte systematisch ambige Vorgehen ist wichtigster Bestandteil dieser Semantik. Systematisch ambiges Vorgehen bedeutet, absichtlich Mehrdeutigkeit zuzulassen. Die Repräsentanten werden in einer Strukturaufstellung so abstrakt wie möglich benannt. Je abstrakter der Name eines Repräsentanten ist, umso mehr Deutungsalternativen und Wahlmöglichkeiten eröffnen sich dem Klienten. Man kann so gleichzeitig verschiedene Strukturebenen ansprechen (Innen, Außen, Vergangenheit, Zukunft). Es wird also ein kreativer Schritt, der den Klienten als Gesamtperson berücksichtigt, angestrebt. Ein inhaltliches Interpretieren, besonders seitens des Aufstellungsleiters, ist nach dieser Auffassung kontraindiziert. Dieses absichtliche Suchen von Mehrdeutigkeit geht auf die Erickson'sche Hypnotherapie zurück, könnte man als das Fördern von Lernen II im Sinne Batesons bezeichnen, und ist vor allem durch Virginia Satir bekannt geworden.

 

Was ist ein Format?

Ein Format versucht, die relevanten Aspekte eines Sachverhaltes zu erfassen, damit dieser so exakt wie nötig und so flexibel wie möglich, abgebildet werden kann. Ein Format legt auch fest, wie ein Aspekt repräsentiert wird. Das wohl bekannteste Format der SySt ist die allgemeine Problemaufstellung im Kontext von Beratung und Therapie. Hiernach gehören zu einem Problem sechs relevante Bestandteile, die man sozusagen mindestens benötigt, um ein Problem haben und aufrecht erhalten zu können. Nachfolgend werden vier dieser sechs Aspekte näher erläutert: Der Fokus, Das Ziel, Die ungenutzte Ressource und Der verdeckte Gewinn. Der Text enthält ein paar typische Formulierungen von Matthais Varga von Kibéd, und auch von Gunther Schmidt. Die Analogie zur Theorie der Ressourcenerhaltung beruht auf meiner Wenigkeit. Was sind typische Bauteile eines Problems? Nun, wir sprechen nicht von einem Problem, ohne daß jemand dieses auch tatsächlich hat. Es gibt zwar Probleme, die niemand hat, in der Beratung und Therapie beschäftigt man sich aber mit Problemen, die eben jemand hat. Der Standpunkt wiederum, aus der das Problem gesehen und erlebt wird, ist der Fokus. Jedes Problem wird aus einer gewissen Perspektive heraus betrachtet und hat auch einen gewissen Zoom. Wir sprechen im allgemeinen auch nicht von einem Problem, ohne einen Wunsch nach Veränderung zu haben. Das, was wir anstelle des Problems haben möchten, ist das, worum es bei unserem Problem eigentlich geht, ein Ziel, das wir nicht erreichen. Wir erleben ein Problem immer als eine Ist/ Soll- Diskrepanz, als Nichtübereinstimmung des gewünschten Erlebens mit der Realität. Man kann kein Problem haben, ohne ein Ziel zu haben, das man nicht erreicht. Wenn wir aber etwas als Problem akzeptiert haben, und sind der Auffassung, daß wir es auch lösen können, dann haben wir aus logischen Gründen auch schon akzeptiert, daß es mindestens eine oder mehrere Ressourcen gibt, die wir gar nicht oder nur unvollständig nutzen, denn, wären alle Ressourcen bereits genutzt, folgt daraus, daß das Ziel prinzipiell unerreichbar ist. Wir hätten dann eine unlösbare Aufgabe oder eine falsch gestellte Frage, jedoch kein Problem. Man kann kein Problem ohne ungenutzte oder unvollständig genutzte Ressourcen haben. Sie können hochgradig verdeckt sein oder und uns völlig unzugänglich erscheinen, aber sie müssen in irgendeiner Form bereits existieren, sonst hätten wir es sozusagen nicht geschafft, ein Problem zu haben. Aber, warum hält sich ein Problem so lange? In dem Zusammenspiel von Problem und Lösung stellt ein erreichtes Ziel zwar eine Ressource dar (Gewinnspirale), aber auch das, wofür es gut war, noch nicht am Ziel gewesen zu sein, ebenfalls. Diese Doppelbelichtung ist gewissermaßen das Problem am Problem, denn, der Gewinn, den wir aus der Nicht-Lösung eines Problems erhalten, ist unter Umständen erheblich, auch wenn uns dieser Aspekt (fast) nie bewußt ist. Man kann geradezu sagen, der Gewinn des Problems wird zum Preis für die Lösung (Verlustspirale). Dieser verdeckte Gewinn wiederum muß im Dienste höherer Ziele stehen, sonst hätten die drohenden Verluste (Verlustspirale) es sozusagen nicht geschafft, die erhofften Zugewinne (Gewinnspirale) zu übertrumpfen. Ein Problem ist aus ressourcenorientierter Sicht letztlich ein Zielkonflikt. Dieser Konflikt stellt auch den Kontext des Problems dar. Mit anderen Worten, die Nichtlösung dieses Konfliktes garantiert geradezu den Rückfall ins Problem.

 

 

Was haben Systemische Strukturaufstellungen mit anderen Aufstellungsverfahren gemeinsam?

Die von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd entwickelten Strukturaufstellungen sind eine Sprache, keine Methode. Im Kontext von Beratung und Therapie könnte man sie als ein hypnotherapeutisches Verfahren oder als einen Spezialfall der Satir'schen Arbeit bezeichnen. Strukturaufstellungen stehen auf einer (transparenten) systemtheoretischen Basis und verfügen über eine umfassende (zum Teil auch zeichentheoretisch begründete) Interventionsgrammatik. Strukturaufstellungen haben systemisch/ konstruktivistische Wurzeln. Sie orientieren sich an dem Weltbild des Klienten, und auch an der Fragestellung des Klienten. Strukturaufstellungen stehen damit in diametralem Gegensatz zu den meisten anderen, stark Leiter zentrierten, phänomenologisch begründeten und methodisch starr oder irgendwie agierenden, Aufstellungsverfahren, insbesondere zu der von Bert Hellinger praktizierten Form. Obwohl Bert Hellinger wichtige Beiträge zum Aufbau der zur Zeit gängigen systemtheoretischen Grundprinzipien liefern konnte, unterscheiden sich Strukturaufstellungen gerade vom Hellinger'schen Familienstellen in grundsätzlichen Punkten, die diese beiden Vorgehensweisen als miteinander unvereinbar zeigen: Aus konstruktivistischer Sicht ist der Beobachter Teil des Beobachteten, weshalb es nach dieser Auffassung keine objektive Wirklichkeit geben kann. Wahrnehmung geht hiernach mit "Wahrgebung" einher. Ein Film beispielsweise weist die Kameraeinstellungen auf, mit denen er aufgenommen wurde. Der Film kann sie gar nicht nicht aufweisen. Bert Hellinger lehnt diese konstruktivistische Sichtweise strikt ab. Demzufolge sieht Bert Hellinger die systemtheoretischen Grundprinzipien, nicht als Heuristik und kurative Prinzipien, sondern als absolute Wahrheiten, als Regeln ohne Ausnahme, welche er auch als Ordnungen der Liebe oder entdeckte Wirklichkeit bezeichnet. Während beim Familienstellen die bedingungslose Einsicht in eben diese, als Generallösung, sowie die Exploration einer möglichen Mißachtung dieser, als Generalursache des Problems, dem Klienten sozusagen therapeutisch verordnet werden, stehen die Strukturaufstellungen für ein Klienten zentriertes und lösungsfokussiertes Vorgehen. Zwar kann in einer Strukturaufstellung das innere Bild einer Familie abgebildet werden, dann jedoch in Bezug zu einer spezifischen Fragestellung seitens des Klienten und nur unter der Prämisse, daß Systemprinzipien lösungsorientiert verwendet werden. Sogenannter Widerstand wird also als Kreativitätsangebot an die Systemtheorie angesehen, und nicht, wie beim Familienstellen üblich, als Signal für die Uneinsichtigkeit des Klienten. Interventionen werden in Strukturaufstellungen grundsätzlich als Frage verstanden, niemals als Aufforderung. Der Leiter einer Strukturaufstellung wird Gastgeber genannt, womit diese innere Haltung verdeutlicht werden soll.